Suche

A A A

 

Suche

Druckversion

NEVAP Tagung 2010

Über 300 Teilnehmende aus ganz Niedersachsen bei der NEVAP- Tagung ?Demenz? 

Hannover, 10.06.10  Als ?nicht ausgewogen, fair und gerecht? bezeichnete der Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig,Prof. Dr. Friedrich Weber, das Sparpaket der Bundesregierung, ?wenn die Hauptlast von den sozial Schwachen getragen wird?. In seinem Grußwort anlässlich der Jahrestagung des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und ambulante pflegerische Dienste e.V. (NEVAP) am 9. Juni in Braunschweig dankte er gleichzeitig den über 300 Teilnehmenden aus ganz Niedersachsen für ihren Einsatz, ?dass Menschen in Würde alt werden können.? Das Thema der Jahrestagung lautete ? Herausforderung Demenz.? 

Der Vorstandsvorsitzende des NEVAP, Dr. Burkhard Budde aus Braunschweig, bezeichnete den Fachverband, der 166 Träger mit 265 ambulanten und stationären Altenhilfeeinrichtungen vertritt, als ?Anwalt des Nächsten? und als ?Partner des Sozialstaates?. Pflegebedürftige Mitmenschen seien keine Kunden, keine Kostenfaktoren oder einfach Objekte der Hilfe, sondern Träger einer unverlierbaren Würde mit einem Hilfebedarf. Für Pflegekräfte, die einem enormen Spar-, Leistungs-, Zeit-, Bürokratie-, Kontroll- und Erwartungsdruck ausgesetzt seien, stelle eine Stoppuhr- und Fließbandpflege eine Zumutung dar. Zur Qualität einer notwendigen individuellen Pflege gehöre jedoch auch eine angemessene Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen sowie eine größere gesellschaftliche Anerkennung.

Der NEVAPbegrüße die Einführung eines neuen und erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Eine kostenneutrale Umsetzung sei jedoch nicht möglich. Der Fachverband sprach sich auch für einen Mindestlohn für Pflegehilfskräfte aus. Er dürfe jedoch nicht als Durchschnittslohn für die Personalkostenkalkulation missbraucht werden. Vor allem müsse die Refinanzierung der Personalkosten dauerhaft gesichert werden. Bei der notwendigen Verbesserung der fachärztlichen/ärztlichen Versorgung von Heimbewohnern dürfe es zu keiner Rationierung von medizinischen Leistungen bei Menschen mit geringen Einkommen kommen ?und bei denen, die sich nicht wehren können?, sagte Budde.

Frank Pipenbrink, Geschäftsführer des NEVAPaus Hannover, forderte in einem Pressegespräch,die Pflege als Berufswahl nachhaltig attraktiver zu gestalten. Trotz derzeitiger Spardiskussion sei ein ?deutliches Mehr an Beiträgen zur Pflegeversicherung oder Zuschüsse aus Steuermitteln notwendig, um die heutige Qualität der pflegerischen Versorgung zukünftig sicherstellen zu können.? Der Umgang mit Alten und Schwachen sei ein Gradmesser für die Humanität einer Gesellschaft.

In seiner Andacht sprach der Direktor des Diakonischen Werkes der Braunschweiger Landeskirche Dr. Lothar Stempindie unsichtbare Quelle an, die Christen bewege, Gottes Kraft sichtbar werden zu lassen. Es gebe eine Wechselwirkung: ?Andere können in unserem Auftreten, Erscheinen und Tun Christus erkennen?, sagte Stempin, der ermutigte, im diakonischen Dienst durchscheinen zu lassen, dass ?Gott in uns, an uns und durch uns am Werk ist.?

Braunschweigs Bürgermeisterin Friederike Harlfinger berichtete, dass in Braunschweig gegenwärtig etwa 4000 Bürger an einer Demenz erkrankt seien; pro Jahr kämen etwa 900 weitere Betroffene hinzu. In Braunschweig gebe es zahlreiche präventive und therapeutische Angebote, die wegweisend für ganz Niedersachsen seien. Harlfinger nannte u.a. die Braunschweiger Alzheimer Tage, das Projekt ?Demenzfreundliche Kommune? sowie das Projekt ?FIDEM?, das bei dem Verein ?ambet? angesiedelt ist.

Uwe Brucker vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. aus Essen forderte in seinem Referat, möglichst auf freiheitsentziehende Maßnahmen im Pflegeheim zu verzichten. Besser sei es, nach den Ursachen der Probleme zu fragen und Alternativen zu ermöglichen.

Über ?Neue Ergebnisse aus der Demenzforschung? informierte Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe aus Köln. Der Begriff ?Demenz?  ändere sich. Gegenwärtig spreche man von einer ?Demenz?, wenn mehr als ein halbes Jahr Symptome wie Gedächtnis- und Denkstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und in der Folge ein zunehmender Verlust der Unabhängigkeit auftreten würden. Eine Demenz könne über 100 verschiedene Ursachen haben. Sie empfahl, weniger stigmatisierend von ?Demenz? zu sprechen als von ?kognitiv beeinträchtigt?. Die Rechte der an einer Demenz erkrankten Menschen müssten gewahrt werden, so Sowinski. Sie sprach sich gegen eine ?frühe Bevormundung? aus und für einen ?differenzierten Umgang?. Vor allem sei ein ?wertschätzender und personenzentrierter Ansatz? beim Umgang wichtig. Ferner sollten mehr Selbsthilfegruppen für Menschen mit Demenz geschaffen und ein größerer Technikeinsatz ermöglicht werden, um unabhängiger sein zu können.
Kontaktfooter Landesverband
Kontakt

Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
Kastanienallee 9-11 · 26121 Oldenburg
Telefon 0441 21001-0 · Fax 0441 21001-99 
lv@diakonie-ol.de

Spendenkonto

Evangelische Bank
IBAN: DE82 5206 0410 0506 4060 41
BIC: GENODEF1EK1

 
Diakonie - die soziale Arbeit der Kirche.

Rückmeldung zu dieser Webseite

Haben Sie eine Anmerkung zu dieser Webseite oder Korrekturvorschläge für die hier veröffentlichten Inhalte? Schreiben Sie uns!


Code