Suche

A A A

 

Suche

Druckversion

100 Jahre nächste Hilfe Bahnhofsmission

Sozialdienst am Bahnhof ist Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen

Oldenburg, 20.04.2015 - Mit einem Festgottesdienst in der Lambertikirche feiert die Bahnhofsmission am Freitag, 24. April, um 12.00 Uhr ihr 100jähriges Bestehen in der Stadt Oldenburg. Im Anschluss an den von Bischof Jan Janssen und Diakonie-Vorstand Thomas Feld gestalteten Gottesdienst wird zum Empfang eingeladen.

„Am 1. Mai des Jahres ist Oldenburg in die Reihe der Städte eingetreten, die Bahnhofsmission betreiben,“ vermeldet ein Rundschreiben der Deutschen Bahnhofsmission aus dem Jahr 1915. „Wenn es auch seiner Lage nach keinen so großen Verkehr aufzuweisen hat, so kam es doch häufig vor, das fremde Mädchen sich hilfesuchend an die Eisenbahnbeamten wandte, die ihnen wohl einmal mit Rat , aber seltener mit der Tat helfen konnten.“

Seit Deutschland mit einem flächendeckenden Eisenbahnnetz überzogen ist, sind weit entfernte Orte innerhalb weniger Stunden und Tage erreichbar. In den Bahnhöfen ist der Pulsschlag der Moderne spürbar: atemberaubendes Tempo, soziale Umwälzungen, ein sich verschärfender Gegensatz zwischen Stadt und Land, Arm und Reich, erfahrenen und unerfahrenen Reisenden. Mancher droht hier in mehr als in einem Sinne unter die Räder zu kommen, erläutert Diakonie-Vorstand Thomas Feld. Die Bahnhofsmissionen boten und bieten Hilfe und Orientierung.

 Die Gründung der Bahnhofsmission in Oldenburg fällt zusammen mit der Einweihung des neuen, uns heute vertrauten Bahnhofsgebäudes im Jugendstil. Es war ein schwieriges Jahr. Die anfängliche Euphorie zu Beginn des Ersten Weltkrieges war längst der Ernüchterung gewichen. Die Auswirkungen des Krieges waren auf den Bahnhöfen zu spüren: schmerzhafte Abschiede, traurige Rückkehr, entwurzelte Flüchtlinge. Die Bahnhofsmission setzte Zeichen der Hoffnung und des Trostes, auch später in den Zeiten des Zusammenbruchs, der Inflation, der Weltwirtschaftskrise, nach dem Zweiten Weltkrieg, als Flüchtlinge, verstreute Kriegsgefangene und heimkehrende Soldaten die Bahnhöfe überschwemmten. Unterbrochen war die Arbeit der Bahnhofsmission nur während einer kurzen Zeit, als sie Opfer der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurde. Am Bahnhof ist hautnah spürbar, was unsere Gesellschaft beschäftigt, erklärt Diakonie-Vorstand Thomas Feld: die Einsamkeit der ersten Gastarbeiter, die Ruhelosigkeit einer psychischen Erkrankung, die steigende Zahl auch jugendlicher Obdachloser, Drogenabhängigkeit, allein reisende Kinder auf dem Weg zu den verschiedenen Teilen ihrer Patchworkfamilie, Flüchtlinge, Fremdarbeiter - Menschen, deren Reise aus unterschiedlichsten Gründen nicht recht weitergeht. Seit nunmehr hundert Jahren finden diese Menschen bei der Bahnhofsmission Hilfe.

Vieles hat sich in einhundert Jahren der Bahnhofsmission Oldenburg verändert: Statt Dampflokomotiven verlassen heute elektrobetrieben Züge die Huntemetropole in verschiedene Richtungen. Statt eines „Zimmers“, dessen genauen Lage heute nicht mehr zu rekonstruieren ist, findet sich die Bahnhofsmission Oldenburg heute in Räumen direkt hinter den Schiebetüren der großen Halle am Aufgang zu Gleis 1. Statt Fräulein M. Müller, die vor allem während der sogenannten Quartalstage (Tage mit häufigem Berufs-, vor allem Dienstbotenwechsel) Dienst tat, arbeiten heute drei hauptamtlich Beschäftigte mit unterschiedlichen Stellenanteilen und ein Team von momentan knapp 20 Ehrenamtlichen im wochentäglichen Schichtsystem am Bahnhof. Unverändert kommen Menschen mit großen und kleinen Nöten zur Bahnhofsmission und wenden sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen an sie. Wie einst Fräulein Müller versuchen die Mitarbeitenden heute individuell und ganz praktisch Hilfestellung zu geben. „Am Bahnhof praktizieren wir täglich aufs Neue diakonisches Handeln und sind somit Ort gelebter Kirche,“ erläutert die Leiterin Doris Vogel-Grunwald im Vorwort der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum. Die Festschrift wird rechtzeitig fertig und liegt zum Jubiläumsgottesdienst am  in der Lambertikirche gedruckt vor.

 Bischof Jan Janssen lobt die Bahnhofsmission dafür, ein einladender Raum für kleine Hilfestellungen für unterwegs zu sein. Dabei geht es nicht um große Sachen, weiß der Bischof der Oldenburgischen Kirche: „Bei der Bahnhofsmission halten Menschen einen Moment länger inne. Sie nehmen einander wahr, sehen dem Gegenüber offen ins Gesicht. Die Mitarbeitenden laden freundlich ein, wo ein bisschen Ausruhen nötig ist. Sie hören zu, wo ein offenes Ohr gefragt ist, und helfen, wo es gerade guttut.“ Die Bahnhofsmission ist ein ökumenisches Angebot der christlichen Kirchen. Da helfen ehrenamtlich Mitwirkende den Menschen auf den Weg und weiter! Hier dürfen Reisende sich aufhalten, auch wenn sie selbst einmal etwas aus der Bahn geraten sind.

Die Probleme mit denen Bahnhofsmissionen zu tun, haben sich im Laufe der Jahre verändert, erklärt die Vorsitzende der Evangelischen Bahnhofsmissionen in Deutschland, Ute Volz. Die Menschen, die zu uns kommen, sind ein Spiegelbild der Gesellschaft und die wird älter. Also kommen heute auch mehr alte Menschen. Manche sind einsam, manche arm. Es gibt Besucher, die kommen fast täglich auf einen Kaffee zu uns, um sich zu unterhalten und ihrem Tag Struktur zu geben. Bahnhofsmissionen unterstützen heute viel häufiger ältere Reisende. Die Gesellschaft wird mobiler und Senioren gezwungenermaßen mit ihr. Wenn sie zum Beispiel zu ihrer Familie reisen, die nicht mehr vor Ort lebt.

Kontaktfooter Landesverband
Kontakt

Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
Kastanienallee 9-11 · 26121 Oldenburg
Telefon 0441 21001-0 · Fax 0441 21001-99 
lv@diakonie-ol.de

Spendenkonto

Evangelische Bank
IBAN: DE82 5206 0410 0506 4060 41
BIC: GENODEF1EK1

 
Diakonie - die soziale Arbeit der Kirche.

Rückmeldung zu dieser Webseite

Haben Sie eine Anmerkung zu dieser Webseite oder Korrekturvorschläge für die hier veröffentlichten Inhalte? Schreiben Sie uns!


Code