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Im Gespräch: Weihbischof Heinrich Timmerevers (v.r.), Bischof Jan Janssen, Sahap Dag vom Jesischen Zentrum und Theo Lampe vom Diakonischen Werk Oldenburg.
Im Gespräch: Weihbischof Heinrich Timmerevers (v.r.), Bischof Jan Janssen, Sahap Dag vom Jesischen Zentrum und Theo Lampe vom Diakonischen Werk Oldenburg.

Jesiden flehen um Hilfe

Auch die Glocken christlicher Kirchen in der Region läuten nicht mehr

Oldenburg, 24.Okt. 2014 - Die besonderes Situation der Jesiden ließen sich jetzt Weihbischof Heinrich Timmerevers und Bischof Jan Janssen erläutern.

Mitten aus der zum Trockenfeldbau genutzten Ebene erhebt sich über eine Breite von 60 km das bis zu 1400 Meter hohe verkarstete Sindschar-Gebirge. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Region einer der letzten Rückzugsorte jesidischer Kurden. Am südlichen Fuß des Höhenzuges breitet sich die Stadt aus, deren Situation so stark vom benachbarten Gebirge beeinflusst wird, dass sie den gleichen Namen trägt. Hier verläuft auch ein seit dem 11. Jahrhundert benutzte Straße, die Mosul mit Syrien verbindet. Der IS ist jetzt gelungen den Belagerungsring um das Gebirge zu schließen. Die Menschen sind auf dem Berg eingeschlossen.

Weil in Oldenburg viele Angehörige der Jesiden leben, machen solche Nachrichten hier besonders betroffen. Menschen, denen es gelungen ist aus der Krisenregion zu fliehen, berichten. Der ganze Familienverband habe Geld zusammengelegt, um ihnen die Flucht zu ermöglichen. 9.000 Euro verlangten Schlepper für einen jungen Mann, 6.000 Euro für seine Frau. Für die übrigen, meist älteren Familienmitglieder reichte das Geld nicht mehr. Sie haben sich ins Gebirge zurückgezogen. Zunächst erreichte das junge Paar die Türkei. Doch die dort eiligst errichteten Zelte hielten einem Starkregen nicht stand. Alles verwandelte sich in Schlamm und Matsch. Also gingen sie weiter in den Irak wo sie bei Zakho vorübergehend in einer kleinen Schule kampieren konnten. Weil es entfernte Verwandte in Hannover und Berlin gibt, machte sich das junge Paar nach Deutschland auf den Weg, wo sie nach kurzem Aufenthalt im Grenzdurchgangslager Friedland nach Oldenburg geschickt wurden.

Auf heiße, trockene Sommer folgen bald kühle und feuchte Winter, wissen die beiden. Jetzt haben sie Angst, dass ihre Verwandten nach den Angriffen den Winter nicht überstehen.

Im Drei-Länder-Eck von Syrien, Irak  und Türkei sind nach Schätzungen der Diakonie-Katastrophenhilfe an die 10 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Des entspricht der Zahl der Einwohner von Berlin, Hamburg, München und Köln zusammen.

Es ist kaum vorstellbar, wie viele Menschen von heute auf morgen ihre Wohnungen verlassen haben. Auf der Flucht mussten sie nach und nach alles liegen und stehen lassen, bis sie nach Tagen einen Parkplatz, einen Rohbau oder eine Turnhalle finden. Nur mit der Kleidung, die sie am Körper tragen, lassen sie sich nieder und beginnen nach Lebensmitteln, Gerätschaften, Kleidung und Wetterbefestigung ihres provisorischen Lagerplatz zu suchen. Geld und Wertsachen sind schnell eingetauscht. Danach herrscht große Not.

Hilfsorganisationen stehen vor der ungeheuren Aufgabe, Wasser, Essen, Koch- und Hygieneartikel, Kleidung, Decken und Planen bereit zu stellen. Niemand kann voraus sagen, wohin die Menschen ziehen.

Wo viele Menschen ankommen, werden Flüchtlingslager errichtet. Aber fünf von sechs Familien kommen nicht in diese Sammelstellen. Die Helfer müssen sie in Scheunen, Ruinen und provisorischen Lagerstellen suchen, um die Hilfe zu übergeben.

Zu allem Überfluss vertreiben bewaffnete Kämpfe die Flüchtenden im Irak oft ein zweites oder drittes Mal. Wer nicht schnell genug weg kam, hat Schreckliches erlebt oder gesehen. So werden Familien auseinander gerissen, Kinder gehen verloren und Alte bleiben auf der Strecke. 

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