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Anika und Jan Felis mit Hund Bina.
Anika und Jan Felis mit Hund Bina vor der Matschküche der Kinder.

Hier ist immer etwas los

Das Ehepaar Felis hat als Erziehungsstelle drei Kinder bei sich zuhause aufgenommen

Oldenburger Land, 18.7.2017 - Vom Taschengeld über die Bekleidung bis zu den Hobbys - Was in normalen Familien mit Kindern selbstverständlich ist, darüber müssen Anika und Jan Felis Listen führen und Berichte schreiben. Denn die beiden sind nicht nur Eltern zweier kleiner Mädchen. Als Erziehungsstelle haben sie drei Geschwister bei sich zuhause aufgenommen. „Das heißt familienanaloge Wohnform“, nennt Anika Felis auch die Fachbezeichnung. Das Ehepaar hat bereits langjährige Erfahrung in der Jugendhilfe.

„Viele wissen gar nicht, dass es Erziehungsstellen gibt und was diese Arbeit bedeutet“, berichtet  Jan Felis. „Erziehungsstellen kommen im Gegensatz zu Pflegefamilien immer dann zum Einsatz, wenn besondere pädagogische Betreuung notwendig ist. Gleichzeitig bleibt eine Familiensituation möglich“, erläutert Katrin Gehlich. Sie ist Bereichsleiterin für die Erziehungsstellen in der Jugendhilfe Collstede. Anika und Jan Felis hatten sich für diese diakonische Einrichtung entschieden, als der Entschluss feststand, Erziehungsstelle zu werden. „Die Diakonie war unsere Wahl, weil wir uns hier gut beraten fühlen“, betonen beide. Außerdem loben sie die Unterstützungsangebote. Denn neben der Supervision bekommen sie über die Jugendhilfeeinrichtung auch Unterstützung bei organisatorischen Dingen, wie etwa der Anmeldung an einer Förderschule. Und über das Freizeitpädagogen-Team der Einrichtung werden auch Ferienfreizeiten für die Kinder angeboten. Für beide ist nach den ersten Monaten klar: Die Erziehungsstelle ist genau die richtige Arbeit für sie. Dass es dabei neben dem Lachen und der Freude auch mal Streit und Traurigkeit gibt, wissen beide. „Das ist hier, wie in jeder anderen Familie auch. Und die besondere Aufmerksamkeit, die unserer aufgenommenen Kinder brauchen, geben wir ihnen gerne“, betonen beide.

Anika und Jan Felis haben sich diesen Schritt genau überlegt. „Natürlich ist es etwas Besonderes die Kinder bei sich zuhause aufzunehmen. Aber in der Einrichtung, in der wir vorher gearbeitet haben, hatten wir auch eine Wohnung bei unserer Gruppe. Unsere beiden Mädchen kannten es also schon, immer andere Kinder um sich zu haben.“ Nun füllen die fünf Kinder das Haus der Familie mit Leben. „Hier ist immer etwas los“, freuen sich die beiden. Ob in der Matschküche im Garten, bei schlechtem Wetter im Spielkeller oder vor dem Schneckenaquarium überall sind die Kinder und ihre Freunde anzutreffen. „Das Schneckenaquarium war ein Wunsch der Kinder. Mittlerweile bringen auch Freunde ihre Schnecken vorbei“, berichtet Anika Felis.

Gemeinsam geben die beiden den drei Geschwistern ein neues Zuhause. Dennoch wissen sie: „Diesen Kindern fällt es durch die Erfahrungen, die sie gemacht haben, schwer Bindungen einzugehen. Man muss es aushalten können, dass egal wie viel Liebe man investiert, diese vielleicht nicht zurückkommen wird.“ Doch das sich die Kinder in ihrem neuen Umfeld sehr wohlfühlen zeigen nicht nur die Bilder, die sie für Anika und Jan - so nennen sie die beiden auch - gemalt haben. Gemeinsam haben sich die sieben auch entschieden, noch ein tierisches Familienmitglied aufzunehmen. Und so gehört seit einigen Wochen auch die Mischlingshündin Bina zur Familie.

Auch die Familie um Anika und Jan Felis unterstützt die Arbeit der beiden. „Bei Familienfeiern wird extra gesagt, dass wir natürlich alle eingeladen sind. Wenn meine Eltern zu Besuch kommen, freuen sich alle fünf Kinder sehr“, berichtet Anika Felis. Und wenn sie beim Einkaufen gefragt wird, ob das alle fünf ihre seien, dann sagt sie mit Überzeugung ja.

Die drei Geschwister leben bereits seit Dezember in der Erziehungsstelle. „Wir sind damals zusammen in das Haus eingezogen und konnten so den Neuanfang gemeinsam gestalten“, erzählt Jan Felis. Denn die drei sind die ersten Kinder, die das Ehepaar bei sich aufgenommen hat. „Idealerweise bleiben sie bei uns, bis sie 18 sind. Aber sicher ist das bei Erziehungsstellen nie“, erzählt Anika Felis. Neben der Arbeit mit den Kindern gehören auch Elterntermine, Gerichtstermine und Gespräche mit dem Jugendamt und dem Vormund zur Arbeit dazu.

Insgesamt gibt es in der Jugendhilfe Collstede derzeit 15 Erziehungsstellen, die ein bis drei Kinder aufnehmen können. „In allen Erziehungsstellen zusammen haben wir 30 Plätze“, berichtet Gehlich. Regelmäßig findet in der Gruppe ein professioneller Austausch statt.

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