Suche

A A A

 

Suche

Druckversion
Traudel Klages war eine der ersten Erziehungsstellen bei der Jugendhilfe Collstede. Foto: Kerstin Kempermann
Traudel Klages war eine der ersten Erziehungsstellen bei der Jugendhilfe Collstede. Foto: Kerstin Kempermann

Das war keine Arbeit, das war mein Leben

Rückblick auf 20 Jahre als Erziehungsstelle

Bockhorn - Seit 20 Jahren bietet Traudel Klages Kindern in schwierigen Situationen Halt. Seit 1998 ist sie - unterstützt von ihrer Familie - Erziehungsstelle. Sechs Kinder, die keinen leichten Start ins Leben hatten, hat sie in dieser Zeit insgesamt bei sich zu Hause aufgenommen. Erziehungsstellen kommen im Gegensatz zu Pflegefamilien immer dann zum Einsatz, wenn besondere pädagogische Betreuung notwendig ist. Gleichzeitig bleibt eine Familiensituation möglich.

„Ich sehe uns als Ergänzungsfamilie“, sagt Klages. Wichtig sei es, die bisherigen Bindungen und Beziehungen der Kinder zu achten. „Zu einigen Eltern hatten wir guten Kontakt. Und da klappte auch der Kontakt zu den Kindern“, berichtet sie. Aber das ist nicht immer der Fall. Manchmal werden die Kinder auch anonym in den Erziehungsstellen untergebracht. Denn viele der Kinder haben schon Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch erlebt. „Es ist nicht immer einfach, zu verdauen, was die Kinder einem anvertrauen“, erzählt Klages offen. Aber in solchen Fällen hilft ihr ihre Ausbildung als studierte Sozialpädagogin und die Möglichkeit, sich jederzeit über die Jugendhilfe Collstede, dem Träger der Erziehungsstelle, fachliche Unterstützung zu holen.

„Frau Klages gehört zu den ersten Erziehungsstellen der Jugendhilfe Collstede. Sie war eine Pionierin bei uns für diese Arbeit“, sagt Jan Prassel. Der Leiter der Jugendhilfe Collstede schätzt an der langjährigen Mitarbeiterin, die nun in Rente geht, besonders ihren Blick auf die Kinder. „Engagiert und mit echtem Herzblut und hoher fachlichen Kompetenz hat sie die Kinder begleitet, unterstützt und gefördert. An dieser Stelle gilt es der gesamten Familie Klages zu danken, die über die vielen Jahre die Kinder in ihre Familie aufgenommen und ihnen ein zu Hause geboten haben. So arbeiten kann man nur, wenn der Beruf zur Berufung wird“, sagt Prassel.

Diese Unterstützung durch den Träger war der 65-Jährigen immer sehr wichtig. Dazu gehört auch die Möglichkeit für die Kinder, in den Ferien an Freizeiten teilzunehmen. Regelmäßig werden auch Aktionen an den Wochenenden angeboten. „Diese Freiräume braucht man, um selbst Kraft zu tanken und Zeit für die eigene Familie zu haben“, erzählt Klages. Denn die Arbeit mit den Kindern ist oft anstrengend. „Den Bedürfnissen der Erziehungsstellenkinder und den Bedürfnissen meiner eigenen Tochter gerecht zu werden, war oft ein Spagat“, sagt sie.

Dennoch überwiegen für Klages im Rückblick die positiven Aspekte. „Das erfüllende an der Arbeit, ist es, wenn es gelingt, die Kinder ein Stück weit auf ihren Weg zu bringen.“ Dieser Erfolg sei nicht selbstverständlich, aber er gelinge häufig. „Es bereitet einfach Freude zu sehen, welche Entwicklung möglich ist, wie lernfähig die Kinder sind und wie sie soziale Kompetenz erreichen.“ Und dass nach Jahren die oft geprägt sind von wechselnden Bindungen und Vernachlässigung.  Manchmal ist die Ergänzungsfamilie dann der Ort einer zweiten Geburt, weiß Klages und erzählt von einem ganz besonderen Moment: „Ich war mit einem der Jungen im Schwimmbad. Als er im Kindergartenalter zu uns kam, hat er nur in Zwei-Wort-Sätzen gesprochen. Es war oft so, als wäre er gar nicht richtig anwesend. Im Schwimmbad hatte er zunächst Angst. Er saß auf einer Schwimmmatte und wir haben mit ihm gespielt. Und dann plötzlich fing er an, über das ganze Gesicht zu strahlen und lächelte mich direkt an. Das war wie eine zweite Geburt.“

Noch heute hat Klages Kontakt zu drei ihrer „Jungs“, die im Laufe der Jahre bei ihr gelebt haben. Und sie freut sich, dass sie auch in diesem Jahr ganz selbstverständlich zu Weihnachten kommen. Denn bei aller Fachlichkeit. Ohne echte Beziehung funktioniert Erziehungsstelle für Klages nicht. „Das war keine Arbeit, das war mein Leben.“

Und sie macht auch anderen Mut, diesen Weg zu gehen. „Es ist eine sehr erfüllende Arbeit.“ Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass die Entscheidung, Erziehungsstelle zu werden, die ganze Familie betrifft. „Die ehrenamtliche Arbeit der Familie wird aus meiner Sicht noch viel zu wenig gesehen. Mein Mann war für unsere Erziehungsstellenkinder natürlich auch eine wichtige Bezugsperson.“

In der Jugendhilfe Collstede arbeiten derzeit zehn Erziehungsstellenfachkräfte, die Kinder in ihrer Familie aufnehmen. Dabei werden die KollegInnen von dem Netzwerk der Jugendhilfe Collstede unterstützt. Das beinhaltet regelmäßige Fachberatung, Supervision und Fortbildung. Aber auch die Sicherheit Urlaub nehmen zu können, wie andere Arbeitnehmer auch. Pädagogische Fachkräfte, die sich für diese Arbeit interessieren, berät die Jugendhilfe Collstede gerne.

Mehr Informationen zu Erziehungsstellen unter www.jugendhilfe-collstede.de

Aktuelle Meldungen:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
Sozialministerin Carola Reimann (v. re.) besucht Diakonie-Nachbarschaftszentrum Wollepark in Delmenhorst. Mit dabei Vorstandsvorsitzender Wolfgang Pape, Kreisgeschäftsführerin Saskia Kamp und MdB Astrid Grotelüschen.
Frerk Hinrichs02.08.2018

Sozialministerin erfährt: Mittwochs wird gerannt

Sozial-Ministerin Carola Reimann besucht Diakonie-Nachbarschaftszentrum Wollepark: Gesundheitsförderung für benachteiligte Quartiere besonders wichtig

Delmenhorst, 02.08.2018 - "Mittwochs wir marschiert," berichtet die Geschäftsführerin des Kreisdiakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg Land. Nordic ...
Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission sind an ihren blauen Westen für alle gut zu erkennen. Foto: Kai Niemann
Kerstin Kempermann17.07.2018

Manchmal reicht es einfach zuzuhören

In der Bahnhofsmission ist immer viel los - Haupt- und Ehrenamtliche stehen als Ansprechpartner zur Verfügung

Fünf Tage die Woche in zehn Schichten sind die Haut- und Ehrenamtlichen der Oldenburger Bahnhofsmission ...
Auch beim Turmbau schauen Anrea Hinrichsmeyer und Efejan den Kindern interessiert zu. Bild: Kerstin Kempermann
Kerstin Kempermann11.07.2018

„Jetzt möchte ich auch helfen“

19-jähriger Syrer hilft ehrenamtlich in der Ferienbetreuung

Cloppenburg, 11.7.2018 - Im Schwedenheim ist auch in den Ferien viel los. Es werden T-Shirts ...
Für ihr langjähriges Engagement wurden Maria Plagge und Horst Boginski (beide Mitte) von Diakonie-Referent Kai Kupka und Barbara Driskell, der Leiterin der Fachstelle Sucht in Oldenburg, mit dem goldenen Kronenkreuz geehrt.
Kerstin Kempermann10.07.2018

Goldenes Kronenkreuz für Maria Plagge und Horst Boginski

Freundeskreis Oldenburg für Suchtkrankenhilfe feiert 40-jähriges Bestehen im Haus der Diakonie

Oldenburg, 10.7.2018 - Maria Plagge und Horst Boginski sind für ihr langjähriges Engagement im Freundeskreis ...
Einrichtungsleiter Thomas Zellner und Referentin Mareike Kuhlmann gestalten die Gegenwart des Kinderdorfes mit. Foto: Kerstin Kempermann
Kerstin Kempermann10.07.2018

Kindern eine Heimat geben

Vor 50 Jahren wurde das Evangelische Kinderdorf Johannesstift Vechta gegründet

Vechta, 10.7.2018 - Kindern eine Heimat geben. Mit diesem Ziel wurde vor 50 Jahren das ...
Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann
Kerstin Kempermann04.07.2018

Männliche Pfleger müssen selbstverständlich werden

Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann wirbt für die Pflegeausbildung

Oldenburg, 3.7.2018 - Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eine zentrale Herausforderung. Im Interview erzählt ...
Mit Artistik und Clownerie begeisterte der Circus Montana im Altenpflegeheim Friedas-Frieden-Stift.
Kerstin Kempermann04.07.2018

Forum wird zur Manege

Circus Montana zu Gast im Friedas-Frieden-Stift

Oldenburg,4.7.2018 - Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen, als die Artistin geschickt alle Ringe auf ...
Ayleen Henschel und Timo Zieseniß berichten über ihr duales Studium.
Kerstin Kempermann02.07.2018

„In der Jugendhilfe bin ich richtig“

Drei Tage Praxis - zwei Tage Theorie: Ayleen Henschel und Timo Zieseniß berichten über ihr Studium soziale Arbeit

Bockhorn/Eggeloge/Wilhelmshaven - Dass sie einmal so viel über das Zugnetz in Deutschland wissen würde, hat ...
Die Absolventen der Altenpflegeschule freuen sich über ihr Abschlusszeugnis.
Kerstin Kempermann28.06.2018

Altenpflegeschüler bestehen Prüfung

Künftige Fachkräfte erhalten Abschlusszeugnis

Oldenburg, 27.06.2018 - Mit dem Abschlusszeugnis der Ev. Altenpflegeschule verabschiedete Schulleiterin Birgit Voß 16 Prüflinge. ...
Diakonie-Vorstand Thomas Feld (re.) begrüßt Gäste und Mitarbeitende der Fachstelle Sucht in Oldenburg
Frerk Hinrichs22.06.2018

Räume entsprechen der Bedeutung von Therapie

Fachstelle Sucht präsentiert neue Einrichtung und Angebote vor Fachpublikum

Oldenburg, 22.06.2018 - Den Umzug an den neuen Standort in der Ofener Straße nahm die Fachstelle ...
Altenpflegeschüler machen in der Delmenhorster Innenstadt mit Rollenspielen auf den Pflegenotstand aufmerksam.
Kerstin Kempermann21.06.2018

„Pflege geht uns alle an“

Altenpflegeschüler machen auf Situation von Pflegebedürftigen und Pflegern aufmerksam

Delmenhorst, 21.06.2018 - Der alte Mann mit dem Gehwagen schaut sich hilflos um. „Ist da ...
Selina Kuhri (von links) und Aimée Kesse waren am Empfang auch für die sogenannte Ausgangsliste zuständig. Foto: Kerstin Kempermann
Kerstin Kempermann20.06.2018

Freiwilligendienst macht selbstbewusst

Aimée Kesse und Selina Kuhri berichten über ihr Jahr in der Fachklinik Weser-Ems - Für das kommende Jahr sind noch 70 Plätze im Freiwilligendienst frei

Oldenburg, 20.6.2018 - 197 junge Frauen und Männer haben sich im Oldenburger Land ein Jahr ...
Reinhild Hagedorn (v.li.) und Heinz-Hermann Buse vom Diakonischen Werk Oldenburg Stadt freuen sich über 3.100 Euro vom InnerWheel Service-Club. Präsidentin Gundula Schmidt-Sacht und Gerlinde Schubert sorgen damit für volle Teller bei Wohnungslosen.
Frerk Hinrichs20.06.2018

Volle Teller für Wohnungslose

Inner Wheel unterstützt Tagesaufenthalt

Oldenburg, 20. Juni 2018 - Einen Scheck über 3.100 Euro überbrachten InnerWheel-Präsidentin Gundula Schmidt-Sacht und Gerlinde ...
Vernissage "andersARTig"
Frerk Hinrichs19.06.2018

Regenbogenkinder machen Kunst

Abschluss der Kunstaktion "anders ARTig"

Oldenburg, 19.06.2018 - Mit einer Vernissage im Garten haben die Teilnehmer aus Haus Regenbogen ihre diesjährige ...
Frerk Hinrichs18.06.2018

Diakonie-Schuldnerberatung bei Radio ffn

Hilfe interaktiv mit der Schuldnerberatung der Diakonie aus der Wesermarsch

Brake, 18. Juni 2018 - Die Schuldnerberatung der Diakonie in der Wesermarsch beteiligt sich an ...
Kistenweise Bodendecker und Heckenpflanzen stehen bereit um die Flächen rund um die neuen Häuser zu begrünen freut sich Rita Szaszi, Vorsitzende des Elisabethstift.
Frerk Hinrichs13.06.2018

Elisabethstift feiert Neubau

Gedenktafel erinnert an Diakonissen

Oldenburg, 13. Juni 2018 - Im Rahmen des 129. Jahresfestes übergibt das Oldenburgische Diakonissenmutterhaus „Elisabethstift“ zwei neu ...
Stefan Scheel bringt einen Gebetsschal für die Ausstellung an. Foto: Anette Melerski
Kerstin Kempermann11.06.2018

Glaubensvielfalt in Delmenhorst

Ausstellung gibt Einblick in Fülle an religiösen Gemeinschaften

Delmenhorst, 11.6.2018 - Ein besonderes Merkmal der Stadt Delmenhorst ist ihre religiöse Vielfalt. Diese steht ...
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
Kontaktfooter Landesverband
Kontakt

Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
Kastanienallee 9-11 · 26121 Oldenburg
Telefon 0441 21001-0 · Fax 0441 21001-99 
lv@diakonie-ol.de

Diakonie - die soziale Arbeit der Kirche.

Rückmeldung zu dieser Webseite

Haben Sie eine Anmerkung zu dieser Webseite oder Korrekturvorschläge für die hier veröffentlichten Inhalte? Schreiben Sie uns!


Code