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Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann
Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann

Männliche Pfleger müssen selbstverständlich werden

Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann wirbt für die Pflegeausbildung

Oldenburg, 3.7.2018 - Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eine zentrale Herausforderung. Im Interview erzählt Diakonie-Vorstand Uwe K. Kollmann, wie er junge Menschen für diesen Beruf begeistern will.

Frage: In der Zeitung liest man immer wieder vom Personalmangel und der schlechten Bezahlung in der Pflege. Wie machen Sie jungen Menschen Mut, eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen?

Kollmann: Wir müssen den jungen Menschen deutlich machen, wie wichtig dieser Beruf ist. Diese Arbeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert. Und es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Beruf - von der Pflegedienstleitung bis zur Einrichtungsleitung. Wichtig ist mir, dass wir gerade jungen Männern Mut machen, eine Pflegeausbildung zu beginnen. Denn damit verändert sich etwas in der Gesellschaft. Der Pfleger auf der Station muss eine Selbstverständlichkeit werden.

Außerdem müssen wir als Träger der Einrichtungen verstärkt auf die weitere Qualifikation aller unserer Mitarbeiter setzen und ihnen Aufstiegsmöglichkeiten geben. Natürlich spielt auch die Bezahlung bei der Attraktivität des Berufes eine Rolle. Aber der Stellenwert der Pflege hängt nicht allein an der Bezahlung. Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Flexible Dienstpläne, die Hilfe bei der Suche nach Kinderbetreuung, all das ist für die Mitarbeitenden wichtig.

Ambulant, stationär oder Tagespflege, es gibt viele verschiedene Angebote und jeder Bereich hat seine eigenen Herausforderungen für die Zukunft.

Egal ob ambulant oder stationär: Die Angebote und Einrichtungen müssen da sein, wo die Menschen leben wollen. Also auf dem Land und in der Stadt. Ich setze mich immer wieder dafür ein, dass wir die Quartiersaltenheime erhalten müssen. Denn so können die Menschen in ihren Bezügen bleiben. Und auch wenn die Menschen immer länger zu Hause bleiben und dort gepflegt werden, ist es eine gesellschaftliche Pflicht, die Infrastruktur an Altenheimen aufrechtzuerhalten. Denn sie werden gebraucht. Grundsätzlich müssen wir ambulante und stationäre Angebote stärker verknüpfen, damit noch flexiblere Lösungen möglich werden. Dafür braucht es aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Als Ergänzung zur ambulanten Pflege sind die Tagespflege Angebote sehr wichtig. Denn sie entlasten die pflegenden Angehörigen und wirken den Vereinsamungstendenzen entgegen. Die Besuche in der teilstationären Einrichtung sind für die Betroffenen meistens Höhepunkte in ihrer Woche. Es gibt nicht nur Armut im Alter, sondern auch Einsamkeit und Gewalt. Darüber müssen wir als Gesellschaft reden.

Auch über Sexualität im Alter wird oft nicht offen geredet. Ein wichtiges Thema in den Heimen?

Wir dürfen die Fragen zur Sexualität im Alter nicht ausgrenzen. Zuneigung und Sexualität gehören auch im Alter zum Leben. Hier geht es auch um Selbstbestimmung und Menschenwürde. Wenn ein Bewohner einen entsprechenden Service nutzt, darf er dafür nicht komisch angeschaut werden. Die Pflegekräfte müssen auch für diesen Bereich sensibilisiert werden. Das Gleiche gilt für den Umgang mit homosexuellen Senioren in den Einrichtungen. Diese möchten nicht jedes Mal wieder erklären müssen, warum sie keine Kinder und Enkel haben.

Wie würde das Altenheim in dem Sie später wohnen wollten, idealerweise aussehen.

Am liebsten würde ich in einem Seniorendorf leben, wo vom einfachen Wohnen bis zur spezialisierten Pflege alles möglich ist. Und natürlich sollte es dann auch möglich sein, dass man mit seinem Partner zusammenwohnt und auch Haustiere mitgebracht werden können. Idealerweise gäbe es dann auch einen Garten, in dem die Bewohner mitarbeiten können. Und natürlich sollte es eine vernünftige Bibliothek geben. Solche Visionen brauchen wir für die Zukunft der Pflege. Und diese Zukunft wollen wir als Diakonie mit unseren Einrichtungen mitgestalten.

 

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