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Professor Dr. Jörg Schneider war zwölf Jahre lang Vorsitzender des Präsidiums der Diakonischen Konferenz.
Professor Dr. Jörg Schneider war zwölf Jahre lang Vorsitzender des Präsidiums der Diakonischen Konferenz.

"Die Liebe zu den Menschen in Not ist unsere Grundlage"

Zwölf Jahre lang war Professor Dr. Jörg Schneider Präsident der diakonischen Konferenz - Im Interview blickt er auf diese Zeit zurück

Oldenburg,3.6.2019 - Am 4. Juni tritt die neue diakonische Konferenz zusammen. Die Diakonische Konferenz ist eine Versammlung von Vertretern der Kirchenkreise, Einrichtungen, Oberkirchenrat, Einzelmitgliedern und der Landessynode. Sie ist mit dem ehrenamtlichen Aufsichtsrat das höchste Beschluss fassende Organ der Diakonie. Bei der ersten Tagung der neugewählten diakonischen Konferenz wird auch das Präsidium der Diakonie neu gewählt. Zwölf Jahre lang war Professor Dr. Jörg Schneider Präsident der diakonischen Konferenz. Im Interview blickt er auf diese Zeit zurück. Dabei wird deutlich, mit welch großer Leidenschaft Professor Schneider sein diakonisches Engagement betreibt.

Professor Schneider, von 2007 bis 2019 waren Sie Vorsitzender des Präsidiums der Diakonischen Konferenz. Was macht für Sie die Diakonische Konferenz aus?

Die diakonische Konferenz ist wichtig, um alle Regionen und Einrichtungen zu beteiligen. Der Austausch in diesem Parlament hilft, dass die Diakonie in all ihren verschiedenen Formen im Sinne einer gemeinsamen Strategie handeln kann.

Seit 2001 haben Sie der diakonischen Konferenz angehört. 2007 wurden Sie zum Präsidenten des Präsidiums gewählt. Was hatten Sie sich für dieses Amt vorgenommen?

Ich wurde kurz vor der Wahl gefragt und hatte gar nicht damit gerechnet. Ich habe mich zur Verfügung gestellt, weil ich in den Jahren zuvor als Stellvertreter erleben konnte, welches Potential in der diakonischen Konferenz steckt. Eine der Herausforderungen in diesem Amt war für mich die Frage, wie die Diakonische Konferenz weiter gestärkt werden kann, ohne dabei die Ehrenamtlichen noch mehr zu belasten.

Die Diakonie hat zwischen 2007 und 2019 Jahren große Herausforderungen erlebt. Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Die wirtschaftlichen Zwänge wurden zu Beginn meiner Amtszeit immer schlimmer. Das wurde zum Glück durch den damals neuen Vorstand gut aufgefangen. Aber es bleibt eine Herausforderung für die Diakonie den vernünftigen Mittelweg zwischen wirtschaftlichen Zwängen und diakonischen Zielsetzungen zu finden. Ein zweites großes Thema war das Arbeitsrecht. Der Wechsel zur Tarifbezahlung. Natürlich hat der Vorstand die Beschlussvorschläge erarbeitet, aber die Zustimmung der diakonischen Konferenz war und ist wichtig.

Aktuelle Herausforderungen sind die Situation der Diakonie-Sozialstationen und die Sparmaßnahmen der oldenburgischen Kirche. Mir ist es wichtig, dass Diakonie bei den Menschen ist. In jedem Kreisdiakonischen Werk, in jeder Gemeinde gibt es andere diakonische Projekte. Diese Vielfalt ist die Stärke der Diakonie und die müssen wir trotz aller Sparzwänge erhalten. Diese Vielfalt muss aber auch durch eine gemeinsame Strategie begleitet werden, damit das diakonische Profil klar erkennbar ist.

Was macht für Sie das diakonische Profil aus?

Die Liebe zu den Menschen in Not ist unsere Grundlage. Diese Liebe ist bedingungslos und stellt keine Schuldfrage. Unser diakonisches Profil zeigt sich in der Zuwendung zu den Menschen. Doch es sind oft genau diese Bereiche, die oft nicht refinanziert sind, auch in der unternehmerischen Diakonie. Deshalb brauchen wir die Unterstützung durch Kirche und Spender. Die Mitverantwortung der Kirche für die Diakonie ist ja auch im Kirchengesetz geregelt. Kirche und Diakonie brauchen sich gegenseitig. Denn die Diakonie zeigt durch praktische Tat, was Gottes Liebe bedeutet. Wer das erfahren hat, ist offener für den Glauben. Und Befragungen zeigen immer wieder, dass die Menschen wichtig finden, was Kirche und Diakonie für Notleidende tun.

Unser diakonisches Profil und unsere Basis im Glauben ermöglicht für mich auch die besondere Zusammenarbeit in der Diakonie. Man kann schnell Vertrauen geben, Probleme offen diskutieren und sich auf den Anderen verlassen.

Wie politisch sollten Diakonie und Kirche ihrer Meinung nach sein?

Kirche und Diakonie müssen in der Öffentlichkeit bei wichtigen gesellschaftlichen Themen Flagge zeigen. Deshalb war mir das Instrument der Stellungnahme der Diakonischen Konferenz immer sehr wichtig,

Warum hören Sie nach 12 Jahren im Präsidium auf?

Ich bin jetzt 70 Jahre alt. Jetzt sind jüngere am Zug. Sie können Lösungen suchen und finden, die für ihre Zukunft tragfähig bin. Ich sehe es wirklich als Chance, dass jetzt vier neue Mitglieder ins Präsidium kommen. Unseren Nachfolgern kann ich nur mitgeben, dass sie die drei Vs übernehmen sollten: Vertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit. Und ich bleibe in der Diakonie aktiv - im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes der ev. Luth. Kirche in Oldenburg und im Vorstand des Kreisdiakonisches Werkes Friesland-Wilhelmshaven.

 

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