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Schicksal der Flüchtlinge darf uns nicht unberührt lassen

Tag der Niedersachsen: Flüchtlingsboot auf der Kirchenmeile

Wilhelmshaven, 15.6.2019 - Mit einem alten Schlauchboot und weißen, schemenhaften Figuren haben das Diakonische Werk der oldenburgischen Kirche und das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ auf das Schicksal Tausender Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Auf der Kirchenmeile rund um die Christus- und Garnisonkirche beim Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven informierten prägnante Infotafeln, die den Schemen ein Gesicht und einen Namen gaben, über Flucht und Fluchtursachen.

Tief beeindruckt vom Flüchtlingsboot auf der Kirchenmeile zeigte sich der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Gemeinsam mit dem oldenburgischen Bischof Thomas Adomeit bestiegt er auf der Kirchenmeile das Schlauchboot und betonte, dass das Schicksal der Flüchtlinge die Menschen nicht unberührt lassen dürfe. Bischof Adomeit forderte, dass Christinnen und Christen und die Kirchen insgesamt nicht wegschauen dürften, wenn Hunderte vor den Küsten Europas ertrinken. Es gehe nicht, „dass wir unsere Grenzen gegen Menschen sichern, die in Europa Zuflucht suchen“.

Flüchtlingsboot auf der Kirchenmeile - Schicksal der Flüchtlinge darf uns nicht unberührt lassen

Das Boot kann man gar nicht übersehen, direkt an einem viel überquerten Weg auf der Kirchenmeile rund um die Christus- und Garnisonkirche beim Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven liegt ein Schlauchboot, das schon deutlich bessere Tage gesehen hat. Seit längerer Zeit ist hier schon niemand mehr stehen geblieben. Was ist denn da los?

„Das mögen die Leute nicht, sie sind sehr verschämt“, hat Petra Meyer-Machtemes beobachtet. Die Geschäftsführerin des Kreisdiakonischen Werkes Friesland-Wilhelmshaven hat mit mehreren Mitarbeitenden von Diakonie und der Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ das Boot auf eine blaue Plane gesetzt. Im Boot sind schemenhaft Figuren zu erkennen, auch in dem blauen Plastik ist eine Figur platziert. Ein Flüchtlingsboot, das ist auf den ersten Blick zu erkennen.

Direkt gegenüber ist eine Bank, dort sitzt gerade ein Paar mit Kind, alle halten irgendwas Gutes zu essen in der Hand. Zwischendurch geht der Blick der Erwachsenen verstohlen zu den prägnanten Infotafeln, die den Schemen ein Gesicht und einen Namen geben und die über Flucht und Fluchtursachen aufklären. Ein seltsames Bild und wohl genau das, was Meyer-Machtemes meint.

„Gestern war ein Paar hier, das Kind fand das Boot spannend und ist ganz unbefangen hineingeklettert“, berichtet sie. Als die Eltern aber begannen, die Infotafeln zu studieren, hätten sie das Kind gleich ganz erschrocken zurückgerufen. „Man hat gespürt, sie hatten in dem Moment die Idee, das könnte auch mein Kind sein im Flüchtlingsboot - und das war wohl nicht auszuhalten“, so die Geschäftsführerin. Solche Momente hat das Team beabsichtigt, Augenblicke, die unter die Haut gehen, die zum nachhaltigen Nachdenken anregen. „Der Tag der Niedersachsen ist eben mehr als nur Gute Laune und Party“, erklärt Meyer-Machtemes.

Auch Millicent Botsio aus Ghana, die in Oldenburg für die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ arbeitet, ist es wichtig, dass die Schicksale der Flüchtlinge die Menschen bewegen. Sie hätten nicht irgendwelche Geschichten auf die Schilder geschrieben, sondern Tatsachenberichte. Eine Frau, deren Schicksal am Boot zu lesen sei, kenne sie auch persönlich, so Botsio.

Die Diakonie klärt an ihrem Stand über Hilfsmaßnahmen auf und auch über das, was jeder Einzelne tun kann, um Flüchtlingen eine bessere Perspektive zu bieten. Zugleich nehmen sie politischen Einfluss, haben gerade erst wieder einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin zum Thema Abschiebungen gerichtet. Auch das ist Thema auf der Kirchenmeile.

Text: Annette Kellin

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