Seit 35 Jahren ist Astrid Brundiers der Kita Philosophenweg verbunden. Hier startete sie in ihr Berufsleben, heute ist sie Einrichtungsleitung. In dreieinhalb Jahrzehnten hat sie die Entwicklung der Kita erlebt und mitgestaltet. Anlässlich ihres Jubiläums blickt sie zurück auf ihre Anfänge, die Entwicklung von Integration und Inklusion und darauf, was ihr für die Zukunft der Kita besonders am Herzen liegt.
Frau Brundiers, 35 Jahre sind eine lange Zeit. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag – und hätten Sie damals gedacht, dass Sie der Kita einmal so lange verbunden bleiben würden?
Ehrlich gesagt ist der erste Tag nicht mehr in meiner Erinnerung, wohl aber die erste Zeit, die ich in meinem Berufseinstieg hier verbracht habe, und der enorme Zugewinn an praktischem (heil-)pädagogischem Wissen, den ich hier erwerben durfte. Auch sind mir die Kinder meines ersten Kita-Jahres in der heilpädagogischen Gruppe im Gedächtnis geblieben.
Die Kita Philosophenweg gilt als Vorreiterin der Integration und Inklusion. Sie selbst haben 35 Jahre ihrer Entwicklung miterlebt. Was hat sich in dieser Zeit verändert – und worauf sind Sie besonders stolz?
Dadurch, dass wir diese Vorreiterrolle haben und die Haltung von Mitarbeitendengeneration zu Mitarbeitendengeneration weitergegeben und gelebt wird, ist Integration und Inklusion für uns eine Selbstverständlichkeit geworden.
Im Gegensatz zu den 35 Jahren vorher, als innerhalb jeder einzelnen Integrationsgruppe gearbeitet wurde, findet die Inklusion mittlerweile innerhalb der Gesamtkita statt. Die Integrationsgruppen leben ein gruppenübergreifendes Konzept, an dem auch Kinder aus den heilpädagogischen Gruppen teilhaben können, sowie die heilpädagogischen Gruppen den Kindern aus den Integrationsgruppen offenstehen. Die Integrationsgruppe und Regelgruppe der Krippe arbeiten ebenfalls übergreifend und es gibt Schnittpunkte zwischen Krippe und Kindergarten.
So sind bei uns die Übergänge zu den gesetzlichen „Systemen“ fließend und wir können jedem Kind das anbieten, was es für die Entwicklung seiner Kompetenzen individuell benötigt. Darauf bin ich besonders stolz.
Sie begleiten die Kita Philosophenweg seit 35 Jahren und tragen als Einrichtungsleitung schon lange besondere Verantwortung. Was bedeutet Ihnen die Einrichtung persönlich – und was macht für Sie das Besondere am Philosophenweg aus?
Das Besondere am Philosophenweg ist meines Erachtens der Blick auf jedes einzelne Kind und die fachliche Kompetenz des pädagogischen Personals. Ich denke, dies ist aus unserer Historie gewachsen.
Besonders wichtig ist uns, jedes Kind so anzunehmen, wie es ist, und es in seiner Persönlichkeit zu respektieren und zu akzeptieren. Jedes Verhalten eines Kindes ergibt für das Kind Sinn. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, welcher Sinn und Zweck dahintersteht, um einem Kind helfen zu können.
Wir nehmen jedes Kind und seine Bedürfnisse ernst und setzen an seinen Ressourcen und Fähigkeiten an. Dabei machen wir keinen Unterschied, ob es sich um ein Kind mit oder ohne Behinderung handelt. Wir bringen dem Kind die christlichen Grundwerte wie Wertschätzung, Verlässlichkeit und Vertrauen entgegen.
Diese Umgangsweisen sind nach meiner Meinung unser höchstes Gut und mein Bestreben als Leitung ist es, diese qualitative Arbeit über viele weitere Jahre trotz zunehmender Herausforderungen hochzuhalten.
Wenn Sie heute nach vorne schauen: Was wünschen Sie sich für die Kinder, Ihr Team und die Kita Philosophenweg für die kommenden Jahre?
Im politischen Kontext gesehen würden verbesserte Rahmenbedingungen, wie kleinere Gruppen oder ein erhöhter Personalschlüssel, eine intensivere inhaltliche und pädagogische Arbeit für und mit den Kindern ermöglichen. Es scheint so, als würden immer mehr Kinder mehr Hilfe und Unterstützung benötigen.
Der Fachkräftemangel mit zu besetzenden Stellen und der auch in den Medien bekannte hohe Krankenstand in unserem Bereich hat in der Vergangenheit sehr an den Kräften gezerrt, dieses auch bei den Erziehungsberechtigten.
So wünsche ich der Kita ein stets gut aufgestelltes Personal mit weiterhin viel Engagement und einem hohen Werteverständnis. Viele weitere Jahre mit einem guten Teamgeist und auch Leichtigkeit im Alltag und den Kindern viele fröhliche Tage, spannende Entdeckungen und ganz viel Freude beim Spielen und Lernen.

