Politik informiert sich über Allgemeine Sozialberatung

Erstellt von Sabine Müller |

Komplexere Anliegen und zunehmende Digitalisierung stellen Ratsuchende und Beratungsstellen vor neue Herausforderungen. Persönliche Ansprechpartner bleiben deshalb wichtig.

Oldenburg, 02.09.2026 - Vertreterinnen und Vertreter von SPD, Bündnis 90/Die Grünen sowie des Niedersächsischen Sozialministeriums haben sich am Dienstag, 1. September, in den Räumen des Diakonischen Werkes Oldenburg über die Allgemeine Sozialberatung informiert. Im Mittelpunkt des Austauschs mit Diakonie und Caritas standen die veränderten Anliegen der Ratsuchenden, die zunehmende Digitalisierung und die Bedeutung persönlicher Beratung vor Ort.

Eine besondere Herausforderung sahen Franz-Josef Franke vom Diakonischen Werk Oldenburg und Dietmar Fangmann vom Landes-Caritasverband in der zunehmenden Digitalisierung von Behörden und Ämtern. Für viele Menschen sei sie eine Erleichterung. „Für zehn Prozent allerdings eine Katastrophe.“ Gerade für Menschen, die mit digitalen Anträgen und Zugängen nicht zurechtkommen, seien persönliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort von großer Bedeutung.

Wie vielfältig die Anliegen in der Allgemeinen Sozialberatung sind, zeigte Caritas-Beraterin Dorles Löning anhand ihrer Beratungspraxis. Rund 50 Prozent ihrer Klientinnen und Klienten kämen zu ihr, weil sie mit Anträgen nicht zurechtkämen. Weitere häufige Themen seien Existenzsorgen, psychische Belastungen oder Suchterkrankungen.

„Ich weiß gar nicht, ob ich hier richtig bin, aber ich brauch' mal Hilfe“, sei ein Satz, mit dem viele Menschen zum ersten Termin kämen, berichtete Löning. Nach dem „Hausarztprinzip“ sei bei ihr zunächst jede Person richtig. Niemand müsse aufgrund seiner Not abgewiesen werden. Die Ratsuchenden seien zwischen 16 und 86 Jahre alt.

Auch die Anliegen hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. Während es 2020 in den Beratungsgesprächen vorrangig um das Bürgergeld gegangen sei, sei heute ein Großteil der Ratsuchenden voll erwerbstätig. Zudem gebe es einen hohen Anteil an Rentnerinnen und Rentnern. 2025 hätten viele orientierungslose junge Menschen die Hilfe der Caritas gesucht. In diesem Jahr seien häufig toxische Beziehungen der Ausgangspunkt für eine Beratung. Bei Missbrauch oder anderen speziellen Problemlagen vermittle Löning an entsprechende Fachberatungsstellen weiter.

Wichtig sei für die Allgemeine Sozialberatung, schnell reagieren zu können. „Oft gibt es Fristen. Da kann ich nicht sagen: ‚Kommen Sie in drei Wochen wieder!‘“, sagte Löning. Der Satz „Wir können da was machen!“ führe bei Ratsuchenden nicht selten dazu, „dass sie wieder schlafen können“.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsfraktionen dankten den Beratenden für ihre zunehmend komplexe Arbeit und würdigten insbesondere den hohen Wert persönlicher Ansprechpartner vor Ort.

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